» Werkzeugkasten

Foto: Rainer Sturm / pixelio.deWie wird aus einer Excel-Tabelle mit Rohdaten eine Infografik? Daten lassen sich auch ohne Profi-know-how und teure Software visualisieren. Der Werkzeugkasten bietet einen Überblick über kostenlose Internet-Tools, mit denen bereits bestehende Datensätze zu Infografiken aufbereitet werden können.
Wir erklären Schritt für Schritt die praktischsten Tools.



Many Eyes

von Björn Thar

IBMs Many Eyes ist wahrscheinlich der heimliche Meister unter den kostenlosen Datenvisualisierungstools im Netz. Das liegt vor allem an den vielen Möglichkeiten, die Many Eyes bietet. Es können sowohl eigene Daten aus einer Excel-Tabelle visualisiert werden, als auch Datensätze von anderen Usern benutzt werden, um daraus Infografiken zu erstellen. Der Entstehungsprozess der Visualisierungen folgt einem klaren Muster: Zuerst kommt die Datenerhebung, dann die Datenabstraktion, also das Bestimmen der datenrelevanten Dimension, danach die visuelle Abstraktion und zuletzt die visuelle Lieferung der Daten. Die fertigen Grafiken können auch auf dem eigenen Blog oder auf der eigenen Website eingebettet werden.




Ein weiterer Pluspunkt ist die Vielzahl der Darstellungsformen: Von den klassischen Säulen- und Tortendiagrammen bis hin zu Weltkarten, auf denen man Daten einzelner Länder greifbar und sichtbar machen kann, ist bei Many Eyes fast alles möglich. Dabei sind nicht nur die Grafiken interaktiv gestaltet, auch die User können miteinander interagieren. Die Bewertungs- und Kommentarfunktion schafft eine eigenständige, datenorientierte Community.

Ein paar Schwachstellen hat die Seite allerdings. Zum Beispiel gibt es keine Bedingungen für das Hochladen von Daten, was zur Folge hat, dass viele falsche oder unseriöse Datensätze bei Many Eyes kursieren. Auch gibt es keine Möglichkeit seine eigenen Datensätze zu schützen. Die Vielzahl an minderwertigen Grafiken und „Datenleichen“, die daraus resultieren, machen es dem User besonders schwer, das wirklich Interessante zu finden.

Dennoch: Many Eyes ist ein schönes Spielzeug, um schnell und einfach beeindruckende interaktive Infografiken zu erstellen.

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Tableau Public

von Heike Stephan

Wer Daten schnell und kostenfrei visualisieren will, findet im Internet unzählige Freeware-Tools. Eine äußerst umfangreiche und professionelle Software ist Tableau Public. Im folgenden Screencast übermitteln wir Ihnen einige Grundlagen zu diesem Programm, sodass Sie mit wenigen Klicks Ihre eigenen Grafiken erstellen können.

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Google Public Data Explorer

von Alexander Holzinger

Seit Anfang 2010 sammelt Google Public Data Explorer öffentliche Statistiken von vielen Institutionen und Ländern der Erde. Lernen Sie, wie Daten interaktiv dargestellt werden und wie Sie Daten einfach und übersichtlich vergleichen können.

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Google Text & Tabellen

von Alexander Holzinger

Auch mit Google kann man einfach Datensätze visualisieren. Die Funktionen sind aber relativ versteckt. Wir zeigen Ihnen, wo Sie suchen müssen.


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Excel als Schlüssel zum Datenjournalismus

von Bettina Taylor

Hinter Excel steckt keine Story. Es ist nicht mehr als ein Werkzeug, wie der Pinsel eines Malers. Das Faszinierende ist nicht der Pinsel, sondern das, was der Maler mit ihm kreiert. Genauso ist es mit Excel und dem Datenjournalismus.




Christina Elmer von dpa-RegioData weiß, dass Datenjournalisten manchmal stoische Geduld brauchen, um spannende Zusammenhänge und Auffälligkeiten in Statistiken zu finden. „Man muss auch bereit sein,
den ganzen Tag lang auf eine Tabelle zu starren, ohne etwas Brauchbares zu finden”, sagte sie bei der Datenjournalismus-Konferenz „Data Stories”. Seitdem weiß ich: Wer Excel als Datenjournalist nicht beherrscht, wird in den Tiefen der Statistik versinken. Um eigene Erfahrungen zu sammeln, habe ich mir statt der üblichen Statistik eine etwas ungewöhnliche Aufgabe gestellt. Zum Geburtstag sollte meine Schwester ein Zahlen-Portrait ihres bisherigen Lebens samt Grafiken bekommen. Dafür benötigte ich zunächst einmal brauchbare Daten. Wie viele Kleidungsstücke oder Facebook-Freunde hat sie? Welche Länder hat sie bereist? Nach einem Monat Detektivarbeit hatte ich etwa 50 Angaben zu ihrer Person. Das war erst der Anfang. Jetzt kam Excel ins Spiel.

Excel funktioniert mit zwei Grundbausteinen: mathematischen Funktionen, wie wir sie aus der Schule kennen und sogenannten Bezügen. Mit ihnen stellt der User Verknüpfungen zwischen Zellen, Zeilen und Spalten her. Sie halfen mir auch, in zwei Schritten den durchschnittlichen Teekonsum bei meiner Schwester pro Tag zu berechnen. Die Zahlen dafür hatte ich mit viel Kleinarbeit einen Monat lang in einer Tabelle gesammelt. Doch auch vermeintlicher Schnick-Schnack wie Formatierung und Gestaltung sind bei Excel nicht zu unterschätzen. Sie helfen, den Überblick innerhalb der Tabellen zu
bewahren. Wer zum Beispiel weiß, wie per Doppelklick der Spaltenrand optimal angepasst wird, spart Nerven.

Wie man in nur zwei Schritten zum Diagramm kommt, weiß ich zum Glück schon. Dazu ist nur eine kleine Voreinstellung nötig: Ich markiere meine Tabelle, gehe auf den Reiter „Start” und klicke auf den Button „als Tabelle formatieren”. Für den Menschen ist das offensichtlich, aber für Excel könnte die Aufzählung beispielsweise auch eine einfache Liste sein. Mit dem Befehl „Diagramm einfügen” konnte ich die Daten schon ziemlich gut visualisieren. Zum ersten Mal habe ich gemerkt,
dass meine Schwester häufiger auf Partys ging, je mehr Umzüge sie hinter sich brachte – das typische Studentenleben eben. Durch das genaue Formatieren veränderte sich die Grafik automatisch mit, als ich einen Fehler bei den CDs meiner Schwester korrigierte.

Ein Grundlagen-Training für Excel zeigt schnell, ob einem das
mühevolle Daten-Schaufeln überhaupt liegt. Genau deswegen ist das Programm der perfekte Türöffner in die Welt des Datenjournalismus. Als Teil des Microsoft-Office-Pakets ist es außerdem auf fast jedem Computer installiert und damit leicht zugänglich. Datenjournalisten kitzeln mit Excel das heraus, was an einer scheinbar langweiligen Statistik so überraschend ist. Letztendlich ist also nicht die Arbeit mit Excel spannend, sondern die Ergebnisse – vorausgesetzt man beherrscht das Programm. Ob meine Ergebnisse spannend sind, werde ich bei der Geburtstagsparty meiner Schwester herausfinden.
Ein kleiner Ausschnitt aus dem „Zahlenportrait” meiner Schwester findet sich in diesem Excel-Dokument.

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